Heute habe ich es schon wieder getan und ich kann langsam wirklich nicht mehr hinsehen. Da habe ich jemandem erzählt, wie souverän ich einen richtig guten Deal eingetütet habe. Natürlich kam prompt die interessierte Nachfrage: „Wow, wie hast du das denn geschafft?“ Und was mache ich? Statt stolz meine geniale Strategie zu erklären, höre ich mich sagen: „Das soll jetzt nicht überheblich klingen …“
Im Ernst? Als ob mein Gegenüber sofort entsetzt den Tisch verlassen hätte, wenn ich nicht vorher demütig klargestellt hätte, dass ich mir selbst selbstverständlich überhaupt nichts zutraue. Und natürlich ist mir sofort aufgefallen, dass ich mit diesem Satz keineswegs alleine bin. Um mich herum entschuldigen sich Menschen ständig dafür, dass sie irgendwas auf die Reihe bekommen haben. Als wäre Erfolg eine unhöfliche Geste, ein gesellschaftlicher Fauxpas wie zu lautes Schmatzen im Restaurant.
Möglicherweise haben wir alle ein bisschen Angst davor, aufzufallen oder noch schlimmer: arrogant zu wirken?! Diese Tendenz zur Selbstrelativierung liegt häufig in früh erlernten Mustern, etwa in der Angst vor sozialer Ausgrenzung oder der Sorge, nicht gemocht zu werden.
Dabei ist es doch keine Arroganz, eigene Fähigkeiten klar und deutlich zu benennen. Wirkliche Überheblichkeit zeigt sich vielmehr darin, andere kleinzumachen, um sich selbst besser zu fühlen.
Ich erlebe es oft gar nicht als bewusste Entscheidung, sondern eher als Reflex. Die eigene Leistung in Klammern setzen, bevor jemand anderes es tun könnte. Es macht Gespräche vermeintlich einfacher. Es hält die Erwartungen niedrig und vielleicht macht es auch ein bisschen weniger angreifbar.
Der Preis dafür ist, dass Erfolge klein bleiben. Nicht nur für einen selbst, sondern auch für andere. Wer ständig relativiert, macht es seinem Gegenüber auch schwer, offen über eigene Erfolge zu sprechen. Vielleicht reicht es schon, beim nächsten Mal den Satz einfach stehenzulassen. Das könnte mehr verändern, als man denkt, oder?




