"Ich bin also erst morgen glücklich. Heute ist es einfach zu viel."
Manchmal ist der Moment groß, aber das Glück kommt erst später im Gefühl an.

Ich habe gerade gesehen, wie Senta Berger der Filmpreis übergeben wurde, und dann sagt sie diesen Satz: „Aber man ist doch so glücklich, wenn etwas gelingt. Ich bin auch heute Abend sehr glücklich. Ich bin aber aufgeregt. Ich bin also erst morgen glücklich. Heute ist es einfach zu viel.“
Mich hat daran vor allem dieses „man ist doch so glücklich“ erwischt. Dieses „doch“ ist ja fast ein kleiner innerer Vorwurf. Als gäbe es eine logische Abfolge: Etwas gelingt, also bitte JETZT Freude. Am besten sofort, klar erkennbar, dankbar dosiert und emotional halbwegs angemessen temperiert. Der Anlass ist schließlich da, die Situation ist da, alle Zeichen stehen auf Glück, da könnte das Gefühl sich jetzt bitte auch mal professionell einfinden 🤷🏻♀️.
Ich hatte in den letzten Wochen und Monaten beruflich und privat ein paar Momente, in denen Dinge wirklich, wirklich gut gelungen sind. Es waren Situationen, in denen ich schon im Moment selbst wusste, dass das jetzt eigentlich die Stelle wäre, an der man einmal kurz vor Freude ausrasten könnte. Mindestens innerlich. Stattdessen stand ich da und wusste vor allem, dass das hier ein Moment ist, über den ich mich sehr freuen werde, sobald mein Hirn mit der Verarbeitung hinterherkommt.
Das ist schon eine ziemlich spezielle Konstruktion: Man erkennt den Glücksmoment, während man ihn erlebt und kommt trotzdem erst später darin an. Als würde ein Teil von einem sagen: Das hier ist groß, merk dir das bitte, während ein anderer Teil noch prüft, ob man schon loslassen kann oder ob vorher noch irgendetwas verstanden, sortiert, beantwortet, abgeschlossen oder eingeordnet werden muss. Ich finde das gleichzeitig absurd und sehr menschlich, zumal man sich dann auch noch dabei beobachten kann, wie man sich fragt, ob man gerade falsch glücklich ist.
Senta Berger hat dafür einen Satz gesagt, der mich deshalb so berührt hat, weil er diese ganze komische Gleichzeitigkeit drin hat. Heute ist es zu viel. Der Moment ist da, das Glück ist da, aber es kommt nicht im passenden Kostüm auf die Bühne, nur weil gerade Bühne ist.
Manchmal weiß man schon, dass man glücklich ist, bevor man es fühlen kann.
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