Wir müssen uns selbst kluge Fragen stellen

Statt nach dem Warum zu fragen, hilft es mehr zu erkennen, was man in Verletzung verloren hat.

March 8, 2026

Neulich saß mir im Coaching eine Frau gegenüber, die sehr gefasst wirkte und nur einen einzigen Satz sagte: „Ich verstehe einfach nicht, warum mich das so trifft.“

Ich glaube, genau an dieser Stelle fängt man oft an, sich mit der falschen Frage zu quälen.

„Warum?“ ist eine hoch angesehene Frage. Sie klingt nach Tiefgang, nach Analyse, nach intellektueller Redlichkeit. In Wahrheit ist sie häufig nur die elegantere Form der Selbstverwicklung. Man sitzt da, rekonstruiert Motive, verteilt innerlich Rollen, quatscht Dialoge nach, legt Erklärungen übereinander und hofft, dass am Ende so etwas wie Beruhigung herausfällt. Als könne ein sauber formulierter Grund rückwirkend Schmerz in Sinn verwandeln. Das gelingt jedoch erstaunlich selten.

Was Menschen in solchen Momenten umtreibt, ist oft ohnehin nicht Erkenntnis. Es ist Kränkung, Kontrollverlust, Verunsicherung, manchmal auch Eitelkeit, nur in anspruchsvoller Sprache. Das ist kein Vorwurf. Das ist einfach die menschliche Variante von Schadensbegutachtung.

Sehr viel aufschlussreicher ist deshalb meist eine andere Frage: Was genau habe ich eigentlich verloren?

Und da wird es plötzlich ungemütlicher. Denn manchmal ist der Verlust real und konkret. Eine Beziehung, eine Rolle, Einfluss, Nähe oder eine berufliche Möglichkeit.

Sehr oft verliert man aber etwas, das schwerer zu benennen ist und gerade deshalb so in der Seele herumliegt. Eine Erwartung an die eigene Zukunft. Die Selbstverständlichkeit, mit der man an etwas geglaubt hat. Das Bild, das man von sich für ziemlich zutreffend hielt. Die schöne, leise Unverschämtheit, dass das Leben doch bitte mit der eigenen inneren Dramaturgie kooperieren möge 😅.

Darum führt die Frage nach dem Warum so häufig in die Irre. Sie unterstellt, dass das Entscheidende irgendwo draußen liegt, in den Motiven anderer, in Umständen, in einem verborgenen Mechanismus, der sich nur endlich erklären lassen müsste. Die schmerzhaftere und oft klügere Arbeit beginnt dort, wo man genauer ansieht, worum man eigentlich trauert.

Man trauert nämlich nicht immer über das, was passiert ist. Man trauert mitunter über das, was man darin über sich selbst verloren hat.

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